Mit dem Wohnmobil

zu den schönsten Golfplätzen Südirlands

 

Golf pur

 

Text und Fotos: Eberhard Hahne

 

Aufgeregt standen wir am ersten Abschlag des Golf & Country Club St. Helens Bay, „Irlands sonnigstem Golfkurs“. Tiefblauer, weiter Himmel mit blendendweißen Cumuluswolken tauchte den ersten Golfplatz unserer Irlandtour in porentiefes Licht. Der Platzarchitekt Philip Walton hatte mit großen Yuccapalmen, Argaven und zahlreichen Gewässern optische Akkzente und sinnvolle Hindernisse auf den leicht hügeligen Platz gesetzt. Großzügige Fairways nahmen uns die Angst vor den Kräften der starken Seebrise. Die Backnine, insbesondere Loch 17 und 18, direkt an den Klippen gelegen, lehrten uns jedoch das Fürchten. Wie oft hatten wir während der Reiseplanung über Linksplätze diskutiert. Die erste Begegnung mit der unbekannten Art ließ uns erschauern: Seealpen im Märklinformat. Die schmalen Fairways schlängelten durch die Dünentäler, die stark ondulierten Grüns blieben beim Abschlag hinter Dünen verborgen, und manntiefe Topfbunker verschluckten den Spieler. Der starke Seewind trieb uns Tränen in die Augen und das hohe, dichte Dünengras hielt verschlagene Bälle hartnäckig verborgen. Mit Sonnenbrand und deutlich erschöpft genossen wir nach fast fünfstündigem Kampf ein Pint (0.57Liter) Kilkenny im modernen Clubhaus und konnten kaum glauben, nach wochenlanger Planung endlich am Ziel unserer Golferträume zu sein. Eine Woche im Jahr gönnen wir, vier Freunde aus Köln (Handicap 28-36), uns eine Auszeit von Job und Familie, um ungehemmt unserer Golfleidenschaft zu fröhnen. Diesmal wollten wir nicht an eine Hotelanlage und die umliegenden Plätze gebunden sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So entschieden wir uns für ein komfortabeles 7 Meter Wohnmobil (Carthago Mondial) und nahmen die Mühen einer längeren Anreise auf uns. 10 Stunden Fahrt bis zum Fährhafen Cherbourg und 17 Stunden Überfahrt mit der Normandie (Irish Ferries) bis Rosslaire schien uns die Mühe wert zu sein. Die erste Nacht im mobilen Zuhause verging traumlos. Die Alkove des Carthagos bietet für zwei Personen ausreichend Schlafplatz (155x 225cm) und eine großzügige Deckenhöhe von über 70cm. Doch die zum Bett umbaubare runde Sitzgruppe achtern, ist nur für ein sehr vertrautes Paar geeignet. Unser Seniorgolfer Johannes (64), hatte sich aus weiser Voraussicht in den clubeigenen Cottage-Häuschen eingemietet. Wir jungen Leute suchten uns einen romantischen Stellplatz mit Meerblick. Die Fahrt zum Mount Juliet Golfplatz bei Thomastown machte deutlich, dass wir uns auf vom Schwerlastverkehr zermürbten Landstraßen befanden. Der Aufenthalt im Heck des Wohnmobils wurde zu einer Tour de Force. Lesen, Kaffeetrinken, selbst ruhiges Sitzen war nicht möglich. Fahrer und Beifahrer dagegen waren im Fond bestens aufgehoben. Mount Juliet empfing uns mit altenglischen Charme. Wie die vornehme Hofanlage aus dem 18. Jahrhundert entspricht auch der Parklandcourse den Vorstellungen von edler Landschaftsarchitektur. Das riesige Areal ist durchsetzt mit großem Buschwerk, und mächtigen, jahrhunderte alten Linden und Eichen. Nichts behindert den Fernblick auf die umliegenden sanften Hügel. Der Zustand der leicht welligen Fairways und Grüns des einzigen in Irland von Jack Nicklaus gestalteten Platzes sind vorbildlich. Der eleganteste Platz auf unserer Tour! Die Anlage, welche die Murhpy´s Irish Open beherbergt, gilt als das „Augusta Europas“. Die weitläufige Anlage von Mount Juliet bietet außerdem noch ein excellentes Hotel und vielfältige Möglichkeiten zum Reiten, Jagen und Angeln. Nach einer ausgiebigen Verschnaufpause im vornehmen Clubhaus starteten wir mit dem Wohnmobil zur Westküste, denn wir wollten unseren engen Zeitplan eingehalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur blauen Stunde erreichten wir nach fünf Stunden Fahrt über Kilkenny und Limmerick Ballybunion. Das verschlafene Örtchen an der Mündung des Shannon, steht ganz im Zeichen des Golfsports. Die 1893 gegründete Golfplatzlegende sollte das Highlight der Tour sein. Mit freundlicher Genehmigung des Managers konnten wir in unserem Camper auf dem Clubparkplatz übernachteten– mit Blick durchs Küchenfenster auf den 1 Abschlag. Überhaupt begegnete uns auf allen Plätzen ausgeprägte Freundlichkeit. Nie wurde unser Clubausweis verlangt, oder über Handicaps diskutiert. In unserem Übermut hatten wir auch den neuen Cashen Course direkt im Anschluß an den Old Course gebucht. Das moderne, weitläufige Clubhaus im Aztekenstil aus Sichtbeton ist Geschmackssache, zeigt aber durch die vielen Promifotos unzweifelhaft seine bedeutende Vergangenheit.  Drei Tage vor uns spielte Bill Clinton (Hcp.12) den Platz, erzählte uns der Platzmarschall. Der 1.Abschlag des Old Course begrüßte uns auf zynische Art mit einem seitlichen Hindernis, einem Friedhof. Er gilt nicht als Aus; doch der Pietät halber sollte ein verzogener Ball neu gespielt werden. Die relativ zahmen ersten 3 Bahnen wiegten uns in trügerischer Ruhe. Dann aber zeigte der Platz seine Zähne. Ein wildes Tier. Die richtige Spielwiese für Abenteurer! Windumtost, erwartet uns ein Par3-Abschlag auf der Spitze einer 40 Meter hohen Düne. Das Grün, 187 yards (1Yard = 0,93m) entfernt, thront wie ein Adlerhorst auf der nächsten Düne, dazwischen gähnender Abgrund. So ging es in einem fort weiter. Die Fairways sind oft so weit vom Abschlag entfernt, dass man schon kräftig und präzise schlagen muß, um nicht bei den „Ratten und Schlangen“ zu landen. Rechts steil abfallende Klippen, links urwüchsige Dünenlandschaft. Der Spieler wandelt zwischen Skylla und Charybdis, Grün treffen oder neu aufteen. Keine Bahn gleicht der anderen! Ähnlich, ist auch auch der in den 80er Jahren angelegte neue Kurs, der Cashen Course, angelegt, aber eher noch wilder. Die Fairways sind schmaler und die Grüns kleiner als auf dem Old Course. Er wurde von dem berühmten Golfarchitekten Robert Trent Jones entworfen. „Ich kenne kein anderes Gelände auf unserem Globus, das so geschaffen ist für die Anlage eines Golfplatzes. Es scheint von Gott gegeben“ urteilte er noch Jahre später.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier erfährt man das Wesen des Golfsports in seiner ursprünglichsten Weise. Nach 36 Löchern war unser Flight endgültig geschafft. Unser Seniorgolfer (68) war trotz Caddie (Buggies sind hier, wie auf dem meisten irischen Plätzen, nicht gestattet) am Ende seiner Kräfte. Aber er hatte es bezwungen, das Urgestein des Golfsports. Nach diesem Gewaltmarsch dürfte auch der fanatischte Golfer satt geworden sein. Den aufregenden Tag ließen wir mit einem hervorragendem Fischessen in „The Strand“ ausklingen. Am nächsten Tag wurde gnadenlos früh aufgestanden, und nach einem kräftigen englischem Frühstück (das richtige für den Golfer!) fuhren wir über holprige Straßen unserem nächsten Abenteuer entgegen. Die eigene Küche in unserem Camper erwies sich als glücklicher Umstand, da das irische Essen nicht unbedingt ein Aushängschild für die Insel ist. Pünktlich erreichten wir nach 40minütiger Fahrt den Trallee Golf Club. (Arnie Palmers erster Golfplatz in Europa, vieleicht sein bester). Wie so oft waren die Morgenstunden nebelverhangen, aber gegen frühen Mittag brach die Sonne durch und klirrend helles Seelicht zwang die Sonnenbrille auf die Nase. Der Platz sitzt auf den Klippen und Dünen von Banna Strand, wo David Leans Welthit „Ryan´s Daughter“ gedreht wurde. Die Frontnine sind raffinierte und anspruchsvoll angelegte Küsten-Fairways (hier steht die Ruine eines Schlosses von Henry VIII.), während die Backnine sich wieder in bester Linksmanier präsentieren. Die trolleybreiten Serpentinen hinauf zum Abschlag auf den Dünenspitzen lassen sind nichts für Schwindlige. Handtuchbreite Fairways und eine steife Brise fordern den ganzen Mut des Golfers. Robert Doberman, der berühmteste Golfjournalist seiner Zeit urteilete: „Robert Louis Stevenson irrte, als er die Monterey-Halbinsel in Kalifornien als die schönste Kombination von Land und Wasser auf Erden beschrieb. Er hat Trallee nicht gesehen - das liegt noch eine Etage höher“. Verschwitzt und erschöpft erfrischten wir uns in den Clubduschen und genossen anschließend ein hervorragendes Club Sandwich – ein überall im Lande empfehlenswertes Nahrungsmittel. Der Tag wurde noch von dem einzigen Pubbesuch unserer Tour gekrönt. Im verrauchten The Swan bei Glenbeigh erwartete uns dichtes Gedränge quer durch die Generationen, eine deftige irische Küche, starkes Guinness und obligatorisch für Irland, Livemusik. Eine Familie, von Tochter bis Großvater spielten Folk. Es wurde Squaredance getanzt, was mich stark an Westernfilme erinnerte und mir nun klar wurde, wo die Wildwestmusik ihrern Ursprung hat. Die teilweise sehr melancolischen Lieder ließen das harte, entbehrungsreiche Leben der früheren Tage auf See oder im Torf spüren.. Eine Köstlichkeit wurde uns auch für den nächsten Tag versprochen. Die Waterville Golf Links, an der Ballinskelligs Bucht gelegen. „Ein Platz der Superlative“, „Ein Muss für jeden Golfer“, hieß es. So schreckte uns auch das happige Greenfee von 100 £ (248DM) nicht ab. Da Waterville auf der Touringliste amerikanischer Golftouristen steht, welche auch gleich busseweise angekarrt werden, oder per Helikopter einfliegen, kann Waterville sich dieses Fee wohl erlauben. Der Platz ist flach bis hügelig, die Fairways und Grüns präsentieren sich ruppig bis ungepflegt. Nur die Bahnen 13 bis 17 haben herausfordernden Linkscharakter, kommen aber bei Weitem nicht an die Brüder Trallee und Ballybunion an. Allerdings zählen Golflegenden wie Sam Snead, Nick Faldo oder Raymond Floyd ihn zu den weltbesten Plätzen. Wir jedenfalls fanden Waterville deutlich überteuert. Da wir unsere nächste Station, der neue Kurs von Old Head wegen eines exorbitanten Greenfees von 265 £ (280 Euro)! von unserer Liste streichen mußten, entschlossen wir uns kurzfristig auf dem Ring of Kerry Golf & Country Club zu spielen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schon die Fahrt dorthin war ein bleibendes Erlebnis. Während sich die Gegend bislang ehr bescheiden bis trist präsentierte, erlebten wir nun eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Urwalddichte Walddurchfahrten, haushohe Rhodedendren, fjordähnliche Buchten mit zahllosen vorgelagerten Inseln zogen an uns vorbei. Zwischen der enormen Vielfalt an Grünschattierungen leuchten gelbe, blaue oder rote Häuschen, geheimnisvolle Auffahrten zu vornehmen Landsitzen wechselten mit überraschenen Fernsichten auf die Buchten. Die frisch erbaute Anlage (50 £) schmiegt sich an die Ausläufer der Macgillycuddy`s Reeks. Zu Füßen liegt die große Bucht des Kennmare Rivers, Segelboote, winzige, sattgrüne Inseln auf tiefblauem Wasser und über allem der phantastische irische Himmel. Es ist der einzige Platz Irlands, der seine Fairways künstlich auf Sand angelegt hat. Dies garantiert beste Drainage und eine hervorragende Oberfläche. Vom Pflegezustand und des parkähnlichen. Platzdesigns erinnert der Platz an Mount Juliet. Doch liegt hier die Raffinesse ehr in der geschickt genutzten Topografie. Es gibt kaum flache Bahnen, jede unterscheidet sich deutlich von der vorhergehenden. Es geht hoch und runter. Doglegs in allen Variationen, hundsgemein ondulierte Grüns, die saubersten von uns bespielten in Irland. Wald und Wasser zu Hauf. Ein wahres Erlebnis. Der Blick von der Clubhausterrasse auf den Kennmare Bay ist allein schon einen Besuch wert. Da unsere Fähre am nächsten Tag um 16 Uhr ablegte, hatten wir unermüdlichen Golfer noch kurzentschlossen eine Abschlagszeit in aller Herrgottsfrühe auf dem Faithlegg Golfclub (25£) gebucht. An der Bucht vor Waterford gelegen, also ca 1 Std. Fahrtzeit bis zum Fährhafen Rosslaire, kann der Parklandcourse als Abschlussplatz für Unermüdliche empfohlen werden. Doch wer das Glück hat, eine passende Abschlagszeit auf dem Waterford Castle Golf Clubs zu bekommen sollte diesen vorziehen. Die zu Füßen des imposanten klassizistischen Faithlegg Hotels gelegende Anlage wäre in Deutschland ein durchaus erwähnenswerter Platz, doch nach den bisherigen Erlebnissen, fällt er nicht sonderlich ins Gewicht. Während der langen Rückfahrt waren wir uns schnell einig, daß unsere nächste Golftour wieder nach Irland führen muß, Bei insgesamt 372 Golfplätzen wird es noch eine Menge für uns zu endecken .

FORE-Golfmagazine

 

Reisetipps:  Fähre: Mit der Normandie der Irish Ferris von Cherbourg nach Rosslaire. Ca. 17 Stunden Fahrt. Tel: Informationen: Irisches Fremdenverkehrszentrale Telefon 0 69/66 80 09 50 www.golf.travel.de www. golfen-in-irland.com Golfplätze: Bei den Spitzenplätzen auf alle Fälle frühzeitig eine Abschlagszeit resevieren! Buggies sind auf den meisten Plätzen nicht erlaubt. Buchtipp: Golf in Irland, Jahr-Verlag

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